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5. Donatella Bernardi & Wong Ping, Side Step: Trevor Yeung

11 Juni - 12 August

Donatella Bernardi & Wong Ping
Side Step: Trevor Yeung
Eröffnung: 11.06.17, ab 11 Uhr
11.06.17 – 12.08.17

Last Tango ist erfreut Donatella Bernardis und Wong Pings erste Ausstellung in Zürich zu präsentieren. Auf radikal verschiedene Weise erkunden ihre Werke die Themen von Erinnerung und kulturellem Erbe und kreieren dabei eine Vielzahl von Perspektiven auf sich wandelnde Identitäten.

Bernardis Titel Der Bauch des Phönix verweist auf einen Zyklus der Erneuerung und spielt dabei mit Vorstellungen von Ablagerung, Schichtung, Senkung, dem Älterwerden und dem Auftauchen neuer Kurven und Schwankungen; wie etwa beim berühmten Michelin Männchen, dieser Ansammlung von Reifen, Zeugen unzähliger Reisen, eine sich verändernde Figur anstelle einer Geburt, die aus der Asche eines verlorenen Körpers hervorgeht. Was bedeutet es sich in einem ständigen Wechselspiel mit Menschen und Orten zu befinden, besonders im Hinblick auf den Austausch zwischen sich selbst und dem was außerhalb einem steht (sei es die eigene Identität als Künstler, die Eltern-Kind Beziehung oder selbst die zwischen Vorgesetztem und Untergebenem)?

Im Gegensatz dazu taucht Wong in die zwielichtige Welt der Fiktion ein. Seine satirischen Szenarien und ironischen Karikaturen zeigen Tabus und Obszönitäten als eine Art Wunschtraum gegen unterdrückerische Machtsysteme, wie etwa das im heutigen Hong-Kong, wo die Formel „ein Land, zwei Systeme“ gilt und wo die Einflussnahme Chinas auf lokale Angelegenheiten zu prodemokratischen Protesten und Forderungen nach einer patriotischen Erziehung geführt hat.

Für Side Step befasst sich Trevor Yeung einmal mehr mit der Dynamik von menschlichen Beziehungen und der Unbestimmtheit von Identität und bringt dabei, mittels seines ortspezifischen Projekts, die Grenzen der Intimität ans Licht.

Donatella Bernardi
Der Bauch des Phönix

Die multidisziplinäre Künstlerin Donatella Bernardi (Genf, 1976) verbindet in ihrem Schaffen Installationen, Publikationen, Filme, Essays und Kurationen. Ihr neuestes Werk ist eine Hommage an die libanesische Künstlerin Saloua Raouda Choucair (1916-2016) und deren sogenannte „Miniformen“, eine Reihe von kleinen, geschichteten Skulpturen. Bernardis spezialangefertigter „Shaped Canvas“ und ihre handgefertigten Keramikgegenstände flektieren jedoch nicht nur Miniatur- sondern auch Monumentalformate, bei denen die Formen auf die Größe des Bocca della Verita in Rom erweitert werden. Mit einer rauschenden Kaskade von Linien und Marmortexturen ist der Bauch des Phönix eine verschlüsselte Erforschung von Erblinien, Brüchen, Senkungen und Gleichzeitigkeiten.

Donatella Bernardi ist Leiterin des MFA Programms an der ZHdK. Zuvor war sie Professorin am Royal Institute of Art (Kungliga Konsthögskolan) in Stockholm (2010-2016). Nach Abschluss ihres Studiums an der Ecole supérieure des beaux-arts in Genf und an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg (2001), erhielt sie einen Master in Kunstgeschichte und Philosophie von der Universität Genf (2006). Sie arbeitete bereits als Kuratorin (Forde, Genf, 2002–2004, Wunder Stanza, Zorro & Bernardo, Post Tenebras Luxe, Musée Rath, 2009), Redakteurin (Decorum, eine Beilage des Kunst-Bulletin, 2005–2007) und Künstlerin (auf internationalen Ausstellungen und Film Festivals). 2005 erhielt sie den Manor Kulturpreis, 2005 und 2007 die Bourse Berthoud (Genf), 2005, 2007 und 2008 den Schweizer Kunstpreis und 2006 den Contemporary Art Mediation Award (Genf). Zwischen 2006 und 2008 war sie Mitglied des Schweizerischen Instituts in Rom. 2008-2009 erhielt sie ein Kunststipendium der Jan Van Eyck Akademie in Maastricht.

Wong Ping

In a Civilized Society, a Straight Penis Simply Does Not Exist.

Wong Pings erste Ausstellung in der Schweiz entlarvt den Konformismus und die soziale Korrektheit mittels ihrer einschüchternden Alter Egos: Provokation und Ungehorsam. In seinen haarsträubend-rohen, eklatant-obszönen, hochstilisierten Videoanimationen trifft sexuelle Sprache auf derben Humor, die dadurch zu Katalysatoren für einen verbotenen Trost und eine unterdrückte Befreiung werden. Last Tango zeigt drei Videoanimationen, die sich, vor dem Hintergrund des sich verändernden Status Quo in Hong Kong, mit Unterdrückung und Verlangen, Kontrolle und Begrenzung, sowie mit den politischen, sozialen und individuellen Untertönen von Auflehnung auseinandersetzen.

Wong Pings Animationen wurden bereits von M+, NOWNESS und Prada in Auftrag gegeben. Unlängst erhielt er einen Perspectives „40 under 40“ Preis für seine Arbeit und hatte eine Residenz am Chinese Centre for Contemporary Art (CFCCA). Sein Werk wurde bereits international ausgestellt, unter anderem in Manchester, Hong Kong, Istanbul, Berlin und Paris. Seine Animationsfilme wurden auf vielen internationalen Filmfestivals gezeigt, unter anderem in Belgien, Großbritannien, Mexiko und Australien, und zudem in LEAP, ArtAsiaPacific und anderen Publikationen rezensiert.

Trevor Yeung
You Think You Are Mimosa

Trevor Yeungs standortspezifisches Projekt für Side Step setzt sich anhand von Zeichnungen, Fotografien und Installationen mit der Welt der Botanik auseinander. Er erforscht die Zusammenhänge zwischen Pflanzenökologie und Vorstellungen von Selbst, Beziehungen und psychologischen Archetypen, wobei er sich vornehmlich für die Mimose interessiert. Bekannt für ihr dezentes Erscheinungsbild und introvertiertes Gemüt (bei Berührung schließt sie sich fest zusammen), sieht Yeung das zaghafte Wesen der Blume als eine Metapher für menschliche Interaktion, und vergleicht sie mit sozial ambivalenten Menschen, die andere durch ihre verstohlenen Blicke anziehen. You Think You Are Mimosa ist ein vorsichtig entworfener Raum, der auf einer Spannung fußt: die Koexistenz von voyeuristischer Intimität und dem Bewusstsein von Sehen und Gesehenwerden.

Trevor Yeung machte 2010 seinen Abschluss an der Academy of Visual Arts der Hong Konger Baptist Universität. In seiner Arbeit benutzt er botanische Ökologie, Gartenbaukunst, Fotografie und Installationen als Metaphern, die auf die Entfesselung alltäglicher Erwartungen an menschliche Beziehungen abzielen. Yeung war bereits in diversen Ausstellungen vertreten, wie etwa in „Seal Pearl White Cloud” im 4A Centre for Contemporary Asian Art in Australien (2016), „Adrift” im OCAT Shenzhen in China (2016), „CHINA 8 – Paradigms of Art: Installation and Object Art” im Osthaus Museum Hagen in Deutschland (2015) und bei der Shanghai Biennale 2014 in China.

Mit seiner Einzelausstellung „Garden Cruising: It’s not easy being green“ bei der DISCOVERIES-Sektion der Art|Basel Hong Kong 2015 war Yeung einer von nur drei Künstlern, die es in die engere Auswahl des BMW Art Journey Preises schafften. Zur Zeit lebt und arbeitet er in Hong Kong.

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Veranstalter

Last Tango
Webseite:
www.lasttango.info

Veranstaltungsort

Last Tango
Röntgenstrasse 6, Zürich Schweiz
Website:
www.lasttango.info